Wer erinnert sich noch daran wie während der pandemiebedingt omnipräsenten Zoom-Sitzungen das volle Bücherregal im Hintergrund zur höchsten Ausdrucksform des eigenen kulturellen Kapitals wurde? Das Bücherregal, es zeugt von akkumulierter Expertise, von einem gewissen akademischen Habitus. Es lockt mit farbigen Einbänden und herausquellenden Zetteln, es lädt zum Stöbern und Blättern ein.
Aber für alle, deren Wohnungen zu klein für die hausinterne Bibliothek sind, oder deren Herzen für das kühle Leuchten eines Bildschirms höher schlagen als für Papierseiten, gibt es Alternativen. Eine davon ist Zotero, eine Open Source Software, die das Sortieren, Exzerpieren und Zitieren von Literatur erleichtert.
Allem voran – was bedeutet eigentlich Open Source?
Open Source ist eine Software dann, wenn der Quellcode, auf dem sie basiert, öffentlich ist. Das bedeutet dass jede:r mit dem entsprechenden Programmierwissen diesen Code ansehen und nach belieben bearbeiten kann.
Als Open-Source Literaturverwaltungssoftware deckt Zotero die gleichen Funktionen ab, wie vergleichbare Software – zum Beispiel Mendeley, Citavi – aber kostenlos.
Zotero wurde entwickelt von der Corporation for Digital Scholarship. Diese erklären die Besonderheit des Open Source-Formats wie folgt:
“If the organization that runs Zotero disappeared tomorrow, or if we made a decision that didn’t put users’ interests first, others would be free to take Zotero’s source code and continue to maintain and improve it. ”
Für Forschende ist die Unabhängigkeit von kommerziellen Programmen zur Verwaltung von forschungsrelevanten Daten besonders wichtig. Wir müssen langfristig auf unser Material zugreifen können, ohne ein monatliches Abo zu bezahlen.
In den kommenden Artikeln dieser Reihe werden wir weitere Open Source Tools vorstellen, die sich für das wissenschaftliche Arbeiten als besonders nützlich erweisen.
Was leistet Zotero als Literaturverwaltungsprogramm?
Eine Literaturverwaltungssoftware ermöglicht es alle Quellen, mit denen im Zuge eines Forschungsprojektes gearbeitet wird, in einer virtuellen Bibliothek zu versammeln.
Für Ordnung sorge ich in meiner Bibliothek, indem ich neue Quellen einer eigenen Sammlung zuordne, oder sie mit entsprechenden Tags versehe, die auch farbcodiert sein können – etwa rot für noch ungelesene Texte und grün für bereits exzerpierte Texte.
Sowohl Texte, die online verfügbar sind, als auch analoge Quellen können in die Sammlung eingetragen werden. Entweder trage ich die bibliografischen Informationen selbst ein, oder ich nutze den Zauberstab: Damit kann ein vollständiger bibliografischer Eintrag aufgrund eines Identifikators, etwa der ISBN Nummer, erstellt werden.
Die digitale Highlighter-Funktion kann nach Belieben ausgenutzt werden, und keine Bibliothek kann was dagegen einwenden.
Ich kann für alle oder ausgewählte Texte der Sammlung ein Literaturverzeichnis erstellen lassen. Hier gilt aber, wie etwa auch für das Arbeiten mit Chatbots – was eine digitale Anwendung erarbeitet hat, sollte ein menschliches Auge einer Qualitätskontrolle unterziehen.
Zum Arbeiten mit Zotero gibt es auch eine Ausführliche Sammlung von Tutorials.
So, ich habe meine Literatur gefunden, mit Schlagworten kategorisiert, und die bibliografischen Daten festgehalten. Now the fun part: Tee, Kaffee oder Lieblingssnack bereitstellen und loslesen!
Beitrag und Foto von Isabella Hesse
