Als Alltagskulturwissenschaftlerin lassen mich meine Forschungsinteressen selten in Ruhe. Die Themen, die mich bewegen, die Zusammenhänge, die mich neugierig machen, umgeben mich. Ich finde sie im Stadtraum, im Quatschen mit Freund:innen, und natürlich, wenn ich am Handy scrolle. Wunderschön, von so vielen spannenden Dingen umgeben zu sein. Aber das hat zur Konsequenz, dass ich früher oder später eine Speicherkarte voller Screenshots von interessanten Funden habe – Chatverläufe, Memes, weirde aber thematisch relevante Werbung – und nicht weiß, was ich damit anfangen soll.
Eine Möglichkeit, meine Screenshot-Schatzkiste zu ordnen ist Tropy. Tropy ist eine open source Software, die Forschenden dabei helfen soll Bildmaterial übersichtlich zu organisieren.
Was bedeutet eigentlich Open Source?
Open Source ist eine Software dann, wenn der Quellcode, auf dem sie basiert, öffentlich ist. Das bedeutet dass jede:r mit dem entsprechenden Programmierwissen diesen Code ansehen und nach Belieben bearbeiten kann.
Die Software leistet für mich eine ähnliche Funktion wie Zotero (siehe den ersten Beitrag in dieser Reihe), nämlich indem sie das Sammeln, Ordnen und Verschlagworten von Quellen im Forschungsprozess erleichtert.
Ins Leben gerufen wurde Tropy von Historiker:innen und Software-Entwickler:innen, und sollte zunächst vor allem für Archivrecherchen eingesetzt werden. Abfotografierte Originale können mit Metadaten ergänzt werden, etwa Verfasser:in, Jahr, Ort, Quellentyp. Doch das Tool lässt sich genauso für ethnographische Forschung anwenden, oder jede Art der Forschung, die mit viel Bildmaterial arbeitet.
Wer Erfahrung mit digitaler Ethnografie hat weiß, dass digitales Quellenmaterial besonders flüchtig ist. Es kann jederzeit gelöscht oder abgeändert werden, weshalb schnelle Screenshots so wichtig sind. Aber damit die Bilder als wissenschaftliche Quelle dienen können, müssen sie mit Metadaten kontextualisiert werden. Um es richtig einzuordnen stelle ich also Fragen an mein digitales Material, wie: Wer hat diesen Post zuerst erstellt und wann? Wo wurde er geteilt, wie schnell hat er sich verbreitet?
Und wenn Mensch nicht mit Bildquellen forscht? Dann gibt es mit Tropy immerhin die Möglichkeit endlich die eigene Umfangreiche Katzenfoto-Sammlung zu verschlagworten.

Beitrag und Fotos von Isabella Hesse
