Astrid Pohl studiert im Master Europäische Ethnologie und Digital Humanities. Im Rahmen des Seminars „Kulturelle Praxen und Bedeutungen im Alltag: Anthropologie der Hände“ hat sie sich mit Fidget Toys beschäftigt.
Was sind eigentlich Fidget Toys?
Das sind kleine Spielsachen, bei denen das taktile Element und Beweglichkeit im Vordergrund stehen. Fidgeting heißt soviel wie Zappeln, oder Herumfummeln. Der Begriff kommt aus einem pädagogischen Kontext, in dem versucht wurde Kindern eine Möglichkeit zu geben sich selbst zu beruhigen, mit dem Ziel, dass sie sich besser in schulische Kontexte einfügen können. Am Anfang stand also die Problematisierung von unruhigem Verhalten bei Kindern, und Fidget Toys wurden als Lösung ins Spiel gebracht.
Es können ganz unterschiedliche Objekte sein. Eigentlich können auch Alltagsobjekte zu Fidget Toys werden. Stifte, Gummiringe, oder Zettelchen zum Beispiel. Es sind aber auch spezielle Objekte entwickelt worden, die als Fidget Toys benannt und vermarktet werden. Sie versprechen die Konzentration zu fördern, Unruhe zu mildern und die Hände zu beschäftigen. Allerdings gibt es auch Stimmen, die das Gegenteil behaupten – dass Fidget Toys eher ablenkend wirken.
Man könnte es so sehen, dass im schulischen Kontext versucht wird Kindern beizubringen Langeweile auszuhalten, oder zumindest nicht augenscheinlich abzudriften. Dass sie durch Fidget Toys lernen sollen, die körperlichen Zeichen von Langeweile zu zähmen, wenn sie diese schon nicht ganz verstecken können.
Wie sind Fidget Toys so beliebt geworden?
Das kam vermehrt 2017 auf, als Fidget Spinner einem breiteren Teil der Bevölkerung zugänglich geworden sind.
Damit sind auch Fidget Toys als Ganzes bekannter geworden.

Eine Interviewpartnerin hat sich erinnert, dass es früher solche Art von Spielzeugen auch schon gab, zum Beispiel Stressbälle oder den Rubik’s cube, aber sie nicht als Fidget Toys vermarktet worden sind. Nun steht das aber im Laden dabei, sie werden gezielt als solche verkauft. Auffällig ist, dass sich die Vermarktung auch mehr an Erwachsene richtet. Damit wird eine größere Auswahl an teureren Produkten sichtbar, auch solche die nicht bunt und verspielt daherkommen sondern gediegen und minimalistisch.
Ein kleiner Trend sind Schmuckstücke, mit denen es möglich ist unauffällig zu hantieren, etwa Ringe mit beweglichen Perlen oder einer interessanten Textur. Da steht dann auch eine ästhetische Komponente im Mittelpunkt.
Die Beschäftigung der Hände soll sich angenehm anfühlen und ein Gefühl der Befriedigung herstellen, ähnlich wie wenn man Luftpolsterfolie platzen lässt.

Auf Social Media ist zu beobachten, dass Fidget Toys im Zusammenhang mit Neurodivergenz auch von Erwachsenen thematisiert werden. Sie werden also nicht nur verwendet um Kinder ruhigzustellen, die auffälliges Verhalten zeigen, sondern auch von erwachsenen Personen, die sich erhoffen mit Fidget Toys ihren Alltag besser gestalten zu können.
Was können wir als Kulturwissenschaftler:innen aus der Beschäftigung mit Fidget Toys lernen?
Wenn Fidget Toys als etwas Beruhigendes beschrieben werden, fällt eine Parallele auf zu Rosenkränzen oder Gebetsschnüren, die über das Beten hinaus auch zu diesem Zweck benutzt werden können.
Was ich außerdem dadurch gelernt habe, ist dass es unmöglich ist, nichts mit den Händen zu tun. Es gibt im englischen das Sprichwort „the devil finds work for idle hands“, welches das Nichtstun und vermeintliche Faulheit problematisiert. Da kann aber eine Alltagskulturforschung einhaken und zur Diskussion stellen inwiefern Hände eigentlich nichts tun können. Auch wenn sie in Ruhe sind, kommunizieren sie dadurch etwas. Sie sind Teil unserer körperlichen Erfahrung der Welt.
Dieser Text entstand in Zusammenhang mit dem Seminar „Kulturelle Praxen und Bedeutungen im Alltag: Anthropologie der Hände“ unter der Leitung von Bernhard Fuchs. Weitere studentische Beiträge aus Lehrveranstaltungen sind hier zu finden.
