Von Maja Pause für die StV Europäische Ethnologie
Vor einem Jahr stand plötzlich fest, dass es aktuell keine richtige Studienvertretung der Europäischen Ethnologie gibt und sich niemand zur alle zwei Jahre stattfindenden ÖH-Wahl hat aufstellen lassen. Die Folge: keine offizielle Vertretung in der Hochschulpolitik, kein Zugriff auf Gelder, keine Ansprechpartner:innen auf Studierendenebene am Institut. Ein spontanes Treffen aller Interessierten wurde einberufen und so fanden wir uns am 26. Mai 2025 zusammen, eine Gruppe Studierender aus Bachelor und Master, die sich davor teilweise noch gar nicht kannte.
Ohne zu wissen, auf was wir uns da genau eingelassen haben, organisierten wir in den nächsten Wochen ein Sommerfest und nach der Sommerpause eine Begrüßungswoche für eine überwältigende Zahl von Erstsemestern. Als fast noch überwältigender lernten wir außerdem die ÖH-Bürokratie kennen, taten aber einfach so, als hätten wir noch nie etwas anderes gemacht als Refundierungsanträge auszufüllen.
Jetzt, ein Jahr später steht bereits das nächste Sommerfest an und wir können zurückblicken auf bereits zwei Semester „Interims-StV“. Diesen Anlass möchten wir nutzen, uns hier erneut vorzustellen, zum Beteiligen einladen und auch insgesamt auf die Bedeutung einer Studienvertretung blicken.
Obwohl wir uns von Anfang an als basisdemokratisch und offen für alle Studierenden verstanden, formierte sich über das letzte Jahr ein Kernteam, welches durch die nach und nach gemeisterten Hürden zusammenwuchs und sich hier nun kurz vorstellen wird:
Für mich macht Studieren besonders dann Spaß, wenn man sich am Institut als Teil einer Gemeinschaft fühlt und gerne Zeit dort verbringt. Deshalb engagiere ich mich in der Studienvertretung. Besonders viel Freude bereitet es mir, verschiedene Veranstaltungen zu organisieren und anschließend zu sehen, wie Menschen zusammenkommen, sich austauschen und gemeinsam eine gute Zeit haben.
Elena, 1. Mastersemester
Zur Studienvertretung selbst bin ich eher spontan gekommen, diese gehört mittlerweile aber fest zu meinem Studienalltag. Durch die Arbeit konnte ich nicht nur viele Menschen kennenlernen, sondern auch das Studium und unser Institut aus einer ganz anderen Perspektive erleben. In unserem ersten Jahr zusammen habe ich die Möglichkeit, die Interessen der Studierenden zu vertreten, Projekte gemeinsam auszuarbeiten und den Alltag am Institut mitzugestalten, sehr zu schätzen gelernt.
Lisa, 4. Bachelorsemester
Ich bin gerne in der StV, da ich mich durch die Tätigkeit noch mehr mit dem Studium und dem Institut verbunden fühle. Ich habe spannende Einblicke bekommen und gemerkt, wie cool es sein kann, wenn man ins Institutsleben miteinbezogen wird. Außerdem ist es schön, den Wünschen von Studierenden nachkommen zu können und Feste und Events zu organisieren.
Kathi, 6. Bachelorsemester


Ich fand das Jahr in der Studienvertretung sehr bereichernd für meine Studienzeit. Nicht nur habe ich tolle Leute kennengelernt, sondern auch unser Institut und die ganze Universität besser verstanden.
Es ist toll zu sehen, was wir alles gemeinsam geschafft haben.
Maja, 4. Mastersemester
Mit das wichtigste am Studieren sind für mich die Menschen die man dabei kennenlernt – Freund*innen, Komiliton*innen und auch Lehrende. Alleine Studieren macht nicht nur weniger Spaß, es ist auch viel anstrengender und oft weniger produktiv (zumindest für mich)! Um dieses Gemeinschaftsgefühl zu stärken braucht es denke ich auch eine Anlaufstelle sowohl für Bedenken, als auch für Ideen am Institut und genau da kann die STV ins Spiel kommen. Absolutes Highlight des letztens Jahres unserer gemeinsamen STV-Existenz waren für mich unsere Feste (und das Gefühl, die bürokratische Seite langsam aber doch zu durchschauen).
Cosma, 4. Bachelorsemester
Nach einigen Jahren am Institut habe ich gemerkt, dass das Institutsleben auch weit nach Ende der Pandemie etwas eingeschlafen wirkte. Mit der neuen Studienvertretung und allen weiteren helfenden Händen etwas Schwung in den Institutsalltag zu bringen und eine offene und festliche Institutskultur zu prägen, bereitet mir viel Freude!
Lukas 6. Mastersemester
Wie ihr seht, nähern sich insbesondere im Master einige Studienabschlüsse und damit auch ein Ende unserer Arbeit für die StV. Wenn du also gerade diesen Artikel liest und denkst, dass das auch etwas für dich sein könnte (Wir sind nett und es macht Spaß!), dann bist du jederzeit herzlich bei uns willkommen! Denn eigentlich schwebt uns noch viel mehr vor als das, was wir aktuell mit begrenzten Kapazitäten leisten können:
Wie wäre zum Beispiel ein Filmclub, der einmal im Monat zu einer Kinovorstellung am Institut einlädt? So wie in der Vergangenheit beispielsweise „Favoriten“ von Ruth Beckermann mit anschließendem Gespräch mit der Hauptdarstellerin Ilkay Ildiskut gezeigt wurde oder „24 Stunden“ mit Regisseur Harald Friedl, könnten solche Termine durchaus regelmäßig angeboten werden.
Wie wäre zum Beispiel regelmäßige Crafting-Sessions in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Materiality Matters? Unsere Quilting-Veranstaltung im Mai zeigte nicht nur, wie wertvoll es sein kann, mit den Händen die eigenen Interessen aus dem Kopf in Stoff einzuschreiben, sondern auch institutsübergreifend darüber ins Gespräch zu kommen.
Wie wäre es zum Beispiel, Veranstaltungen zu organisieren, die zu möglichen Zukünften nach dem Studium informieren, durch geladene Gäste aus spannenden Berufsfeldern? Einen Schritt in diese Richtung gingen wir bereits mit unserem Slot im Institutskolloquium im Wintersemester 2025/2026 mit dem Paneltalk „Master and more.“ Gerne würden wir so etwas öfter und vielfältiger anbieten.
Auch wenn es bei unseren Veranstaltungen vordergründig um den Spaß an der Sache selbst geht, sollen sie auch zu Begegnungs- und gemeinsamen Denkräumen werden für Gruppen, die sich in Seminaren entweder räumlich gegenüberstehen oder allenfalls nur kurz auf dem Gang begegnen. Kleine Momente des Miteinanders haben so das Potenzial, nachhaltig zu einer gemeinschaftlicheren Atmosphäre anzuregen.

So tragen wir unsere europäisch-ethnologischen Perspektiven selbstverständlich mit in unsere Aufgaben und fragen uns: Wie gestaltet sich unser Institut als Ort des Miteinanders? Wen vertreten wir da überhaupt, wen aber auch nicht? Welche Grenzen von Augenhöhe und Zusammenarbeit sind der Universität eingeschrieben? Welche unterschiedlichen Bedeutungen nimmt Studieren in verschiedenen Alltags- und Lebensrealitäten ein und was für Ansprüche gehen damit einher?
Zusammen mit diesen Fragen sehen wir unsere Arbeit natürlich auch als politisch an. Als Studierende, die lernen, bestehende Ordnungen und Systeme immer wieder zu hinterfragen, können wir da weder vor der eigenen Universität noch vor einer Selbstreflexion Halt machen. Und wir möchten Haltung zeigen, gegenüber der Ökonomisierung von Wissenschaft, gegenüber prekären Arbeitsverhältnissen, gegenüber politischen Vereinnahmungsversuchen. Dazu gehört, in Zeiten von bestehenden Budgetkürzungen nicht nur, wie bereits erfolgt, zahlreich auf die Straße gehen, sondern uns auch mit anderen kleinen, besonders bedrohten Fächern solidarisieren.
Doch nicht nur Sparzwänge stellen eine Bedrohung dar, gegen die es anzuhalten gilt, auch auf inhaltlicher Ebene wünschen sich rechte Kräfte Positionen zurück, die wir eigentlich längst überwunden haben und die ein klares Entgegenhalten erfordern. Wissenschaftliche Freiheit wird zunehmend in diversen politischen Forderungen in Frage gestellt, wobei insbesondere Sozial- und Kulturwissenschaften angegriffen werden. Blickt man beispielsweise nach Sachsen-Anhalt in Deutschland, wo die AfD im September erstmals stärkste Kraft in einem Bundesland werden könnte, sollen nach der Wahl insbesondere die Geschlechterforschung und die Postkolonialismusforschung möglichst rasch aus den Universitäten verschwinden.1 Auch in Österreich fantasiert die FPÖ von experimentellem Genderwahnsinn, „Wokeness-Hochburgen“ und einer Austeritätspolitik als Repressionsmaßnahme.2 Solche Narrative gilt es, frühzeitig einzuordnen und vehement zu kritisieren.
Ein solches Entgegenhalten entsteht für uns im Miteinander, im Zusammenhalt innerhalb des Faches und des Institutes, durch eine kollegiale Institutskultur. Dazu gehört klar zu sagen, dass Diskriminierung von Gender, Herkunft und Glaube für uns keinen Platz hat und wir für einen diversen und toleranten Studienort einstehen.
Hierzu haben wir bei Gesprächsbedarf immer ein offenes Ohr für euch.
Zu guter Letzt bleibt uns nur noch, auf unser Sommerfest und damit definitiv auf ein Highlight in unserem Veranstaltungskalender hinzuweisen: Es findet am Donnerstag, den 18.06.2026 ab 19 Uhr im Seminarraum 1 statt. Unser Motto soll die Herzen aller Popkulturfans und Nostalgiker:innen höher schlagen lassen: 2016! Wir freuen uns auf ein Mitbringbuffet, Karaoke, Bingo und eine kleine Ehrung für alle Absolvent:innen aus dem vergangenen Jahr.
Wir sind erreichbar unter:
stv.euroethnowien (Instagram)
stv.europaeische_ethnologie@oeh.univie.ac.at (Mail)

1 Vgl. Großekathöfer, Maik: Besuch bei Dr. Rechtsextrem. In: Der Spiegel 23/2026. Online abrufbar unter: https://www.spiegel.de/wissenschaft/afd-in-sachsen-anhalt-angriff-auf-die-wissenschaftsfreiheit-a-29cdb1d6-8269-40c4-9eeb-b15d6f661af9 [09.06.2026].
2 Vgl. Taschwer, Klaus: Wie sehr eine FPÖ-geführte Regierung Einfluss auf die Unis nehmen könnte. In: Der Standard, 17.01.2025. Online abrufbar unter: https://www.derstandard.at/story/3000000252768/wie-sehr-eine-fpoe-gefuehrte-regierung-einfluss-auf-die-unis-nehmen-koennte [11.06.2026].
